T1 im Gespräch

Interview mit Roland Trettl und Manfred Huber, Lohberger

EIN HERD WIE EINE MODERNE SKULPTUR: WOHER KOMMT DIE IDEE FÜR DAS DESIGN?

RT: Kochen ist ja eigentlich etwas sehr Sakrales, der Platz des Koches hat auch viel mit dem eines Priesters gemein. Ein Herd, genau wie ein Altar, muss zeitlos sein und stellt deshalb höchste Ansprüche ans Design: auf das Wesentliche reduziert und so funktional wie möglich. Die Oberfläche aus Bronze steht für die Hitze, das Feuer, die Kraft zum Kochen. Edelstahl ist ein tolles Material für die Konstruktion des Unterbaus, robust und technologisch. Doch die Oberfläche aus Bronze verleiht ihm eine zusätzliche Dimension, und die Kombination ist einzigartig.

WIE KAM ES ZUR ZUSAMMENARBEIT MIT ROLAND TRETTL?

MH: Wir haben mit Roland Trettl schon vor über zehn Jahren die Küche im Hangar-7 realisiert. Als er 2013 den Hangar-7 verließ, gab es von unserer Seite bald den Wunsch, gemeinsam etwas Neues zu machen. Wir haben uns daraufhin eines Abends mal zusammengesetzt, und da war dann sehr schnell klar: Wir bauen Profitechnik für daheim. Aber nicht nur tolle Technik, sondern auch wirklich tolles Design. Keine Laden, keine Displays, Messing und Kupfer als Materialien. Alles, was man in Privatküchen eigentlich nicht findet. Aber je länger wir uns mit der Idee beschäftigt haben, desto mehr hat es uns begeistert.

AUF DAS GEFÜHL KOMMT ES AN: WAS IST BESONDERS AN DIESEM NEUEN PRODUKT?

MH: Dieser Herd vereint das aktuell Beste aus zwei verschiedenen Welten: Profitechnik und Design. Besonders für die Küche gibt es das in der Form noch nicht, also auch die Verbindung von völliger Ursprünglichkeit mit Hightech. Und dann ist da natürlich das Material, es schimmert in jedem Licht anders, und kein T1 gleicht dem anderen. Jedes Stück ist ein Einzelstück.

FÜR WEN GENAU IST DER T1 GEMACHT?

RT: Erstens für Menschen, für die das Kochen, das Essen, das Gemeinsame daran nicht nur Nahrungsaufnahme ist, sondern die dieses Erlebnis auch mit Familien, Freunden unmittelbar teilen möchten. Zweitens ist der Herd ansprechend für Architekten, die für ihre Kunden etwas Besonderes und Einmaliges suchen. Nicht nur etwas technisch Hochprofessionelles, sondern auch etwas ganz Eigenes, quasi architektonische Handarbeit. Und drittens natürlich für jene, die auch daheim die PS spüren möchten. Lohberger Profitechnik wird damit ja auch erstmals für den privaten Bereich nutzbar gemacht.

DIE KÜCHE IST HERZSTÜCK JEDES HAUSHALTS: HAT SICH DIE BEDEUTUNG IN DEN LETZTEN JAHREN GEWANDELT?

RT: Ja, das verändert sich schon. Das ging zu Beginn vom gemeinsamen Mittagtisch weg, hin zu Mikrowelle und Fast Food, jetzt kehrt es aber langsam wieder zurück zum Homing and Cocooning, also der Lebensmittelpunkt ist wieder stärker das Zuhause. Es gibt wieder mehr „Zusammensein“, mit Familie oder mit Freunden. Es geht ja nicht nur um das Ergebnis auf dem Teller, sondern auch darum, beim Prozess dabei zu sein. Das haben unsere Vorfahren schon genauso gemacht, da braucht es keine Spielereien, da geht es wirklich um das Archaische, das Erdige. Und auch um das Metaphorische und um das echte Feuer in unserer Mitte.

WARUM HAT DER MENSCH EINE SEHNSUCHT, SICH ZUM KOCHEN, ZUM ESSEN ZU VERSAMMELN?

RT: Für die gesamte Menschheit war und ist das Feuer das zentrale Element. Damit begannen vor 700.000 Jahren die Beherrschung der Umwelt, der Schutz vor ihr und die Erzeugung von Licht und Wärme. Feuer verbindet auf die unterschiedlichsten Arten. Diese Idee ist in das Design des T1 eingeflossen: Der Herd kann auch als Bar genutzt werden, die einfahrbare Vorderwand schafft Platz für Geselligkeit. So wird wieder mehr Rücksicht auf den Menschen, nicht auf das Objekt, genommen.

WAS SIND DIE GRÖßTEN HERAUSFORDERUNGEN FÜR LOHBERGER IN DEN NÄCHSTEN JAHREN?

MH: Die Zeit verändert sich, die Gesellschaft verändert sich. Alles wird schneller, billiger, digitaler und oberflächlicher. Was für uns wichtig ist, ist, den Kunden im Küchenbereich zeigen zu können, wie sich ein Markenprodukt von billigem Ramsch unterscheidet, und zwar abseits vom Preis: die Vermittlung des echten Mehrwerts, Kunden zu faszinieren, daheim oder in der Profiküche Qualität spürbar zu machen. Wir stellen uns gerne den schwierigsten Herausforderungen der Kunden.